|
HIV/Hepatitis-Koinfektion Die Leber Welche Aufgaben hat sie? Die Leber Welche Aufgaben hat sie? Die Leber ist ein lebensnotwendiges Organ. Mit ca. 1,5 kg ist sie die größte Drüse im menschlichen Körper. Sie produziert die für die Verdauung wichtige Galle, die in der Gallenblase gesammelt wird. Wesentliche Funktionen erfüllt die Leber aber auch im Stoffwechsel, bei der Ausscheidung von Giften und bei der Produktion z.B. von Gerinnungsfaktoren, die für die Blutstillung wichtig sind. Das Wort "Hepar" ist griechisch und bedeutet Leber. Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die unterschiedliche Ursachen haben kann. In diesem Folder geht es um infektiöse also ansteckende Formen der Hepatitis, die durch Viren ausgelöst werden. Die Viren, die sich in den Leberzellen vermehren und so zu einer Hepatitis führen, werden mit Buchstaben benannt. Die Hepatitis A wird z.B. durch das Hepatitis A-Virus (HAV) ausgelöst, die Hepatitis B durch das Hepatitis B-Virus (HBV), die Hepatitis C durch das Hepatitis C-Virus (HCV) und so weiter. Im Akutstadium können bei allen Hepatitis-Formen ähnliche Symptome wie z.B. eine Gelbfärbung der Haut und der Augen (umgangssprachlich meist als Gelbsucht bezeichnet), Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Dunkelfärbung des Harns und Hellfärbung des Stuhls auftreten. In vielen Fällen verläuft eine Hepatitis aber auch ohne Beschwerden und kann daher mitunter übersehen werden. Das Abwehrsystem (Immunsystem) des Körpers reagiert auf die Hepatitis, indem es versucht, alle von den Viren befallenen Leberzellen zu beseitigen und so die Vermehrung der Viren zu stoppen. Gelingt dies, heilt die Hepatitis aus. Gelingt dies nicht, kann die Infektion über Jahre bestehen bleiben. In diesem Fall wird von einer chronischen Hepatitis gesprochen. Eine chronische Hepatitis, die nur bei Infektionen mit HBV, HCV oder HDV vorkommt, kann zur Entwicklung einer Leberzirrhose (=Leberverhärtung) oder eines Leberkrebses führen. Ob bzw. mit welchem Hepatitis-Virus man sich angesteckt hat, kann durch einen Bluttest festgestellt werden. Ansteckungsrisiko Wie werden Hepatitis-Viren übertragen? Hepatitis-Viren werden entweder über verunreinigtes Wasser oder Nahrungsmittel (HAV, HEV), über Schmierinfektionen (HAV, HEV) oder über Körperflüssigkeiten, die Viren (HBV, HCV, HDV) enthalten verbreitet. Gegen Hepatitis A und gegen Hepatitis B gibt es eine Schutzimpfung. Koinfektion Was bedeutet das? Von einer Koinfektion wird gesprochen, wenn ein Mensch mit zwei oder mehreren Erregern gleichzeitig infiziert ist, also z.B. Mit HIV und HBV oder HIV und HCV. Eine Ansteckung mit Hepatitis B geschieht über Körperflüssigkeiten, die HBV enthalten (z.B. Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Speichel). Der Hauptübertragungsweg der Hepatitis B ist sexueller Kontak, wobei das HBV nicht nur über ungeschützten Vaginal- und Analverkehr, sondern auch über Petting und Küssen weitergegeben werden kann. Weiters wird HBV auch über virushältiges Blut, z.B. durch gemeinsamen Gebrauch von Spritzen oder Nadeln beim intravenösen Drogengebrauch, übertragen. Nützen Sie die Möglichkeit einer Hepatitis B-Schutzimpfung! Die Impfung wird auch von HIV-positiven Menschen gut vertragen. Da sie aber nicht bei allen Personen zum gewünschten Schutz gegenüber HBV führt, sollte der Erfolg mittels Bluttest kontrolliert werden. Schützen Sie sich beim Geschlechtsverkehr durch die Verwendung von Kondomen! Eine Hepatitis B-Infektion nimmt bei 2-5% der Erwachsenen einen chronischen Verlauf. Bei Menschen, die zusätzlich mit HIV infiziert sind, entwickelt sich die Hepatitis B häufiger zu einer chronischen Erkrankung und es kommt öfter zu einer Leberzirrhose als bei nicht HIV-infizierten Personen. Die HIV-Infektion verläuft durch die zusätzliche Hepatits B aber umgekehrt weder schwerer, noch schreitet sie rascher voran. Das HCV wird hauptsächlich über Blut übertragen, also z.B. durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen oder Nadeln sowie durch Blutkonserven oder Blutprodukte. Die sexuelle Übertragung spielt bei der Hepatitis C nur eine untergeordnete Rolle. Eine gleichzeitige Infektion mit HIV und HCV führt zu einem rascheren Verlauf der Hepatitis C. Leberzirrhose, Leberkrebs und Leberversagen treten häufiger auf. Der Einfluss der Hepatitis C auf die HIV-Infektion konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Möglicherweise verläuft die HIV-Infektion bei HIV/HCV-koinfizierten Patienten schneller. Behandelt wird die HCV-Infektion mit einer Kombinationstherapie, bestehend aus Interferon-Alpha und Ribavirin, einem Medikament, das die Vermehrung von HCV hemmen kann. HIV-Therapie Worauf ist zu achten? Die Tatsache, dass einige der gegen HIV eingesetzten antiretroviralen Medikamente zu Leberproblemen führen können (s. ASPEKTE 5, "Nebenwirkungen der Kombinationstherapie"), muss bei Betroffenen, die gleichzeitig an einer Hepatitis leiden, besonders berücksichtigt werden. Bei koinfizierten Personen, die sowohl eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART, siehe ASPEKTE 1 "Kombinationstherapie") als auch Interferon-Alpha und Ribavirin erhalten, sollten Immunstatus (CD4-Zellzahl) und Viruslast (Menge der HI-Viren im Blut) regelmäßig kontrolliert werden. Die Wirksamkeit der HAART könnte durch Ribavirin möglicherweise herabgesetzt werden. Dieser Text ersetzt nicht das Gespräch mit einem Arzt / einer Ärztin! |
|
Text: Dr. Sigrid Ofner ASPEKTE, eine Informationsreihe der AIDS-Hilfen Österreichs |