Kombinationstherapie

Kombinationstherapie – Was ist das?
Medikamente – Wie wirken sie?
Kombinationen – Welche sind sinnvoll?
Behandlungsbeginn – Was wird empfohlen?
Laborkontrollen – Welche sind nötig?
Nebenwirkungen – Was tun?
HIV-Medikamente und Drogen – Vorsicht!
Unterbrechung oder Änderung der Kombinationstherapie – Wie ist vorzugehen?

Kombinationstherapie – Was ist das?

Die hochaktive antiretrovirale Therapie (= HAART), die aus einer Kombination von mindestens drei gegen das HI-Virus wirksamen Medikamenten besteht, wird heute als optimale Behandlung HIV-infitzierter Patienten angesehen.

Das Ziel der Kombinationstherapie ist es, die Menge der HI-Viren im Körper (= Viruskonzentration im Blut, Viruslast oder viral load) über möglichst lange Zeit so niedrig wie möglich zu halten. Das geschieht, indem die Vermehrung des HI-Virus behindert wird. Das bedeutet: Die richtige Einnahme der Medikamente kann die Zahl der HI-Viren stark verringern, die fortschreitende Zerstörung des Immunsystems aufhalten, die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhöhen, sie kann die HIV-Infektion aber nicht heilen!


Medikamente – Wie wirken sie?

Antiretrovirale Medikamente wirken, indem sie die Vermehrung des HI-Virus in den Körperzellen verringern. Zur Zeit gibt es drei Gruppen von Medikamenten, die im Rahmen der Kombinationstherapie eingesetzt werden:

Protease-Inhibitoren (= PIs oder Proteasehemmer) hemmen einen Stoff, der vom Virus produziert wird und für die Reifung von viralem Eiweiß verantwortlich ist. (Z.B. Crixivan, Viracept, Norvir). Nucleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (=NRTIs) hemmen die Vermehrung der HI-Viren, indem sie den Einbau der viralen Erbanlagen in die Erbanlagen der Wirtszellen verhindern. (Z.B. Epivir, Videx)

Nicht-Nucleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs) setzen beim gleichen Vermehrungsschritt an, hemmen die HIV Reverse Transkriptase allerdings direkt und nicht indirekt wie die NRTIs. (Z.B. Rescriptor, Viramune)


Kombinationen – Welche sind sinnvoll?

Die Auswahl der Medikamente muß sorgfältig geschehen. Es ist für den Erfolg der Behandlung wesentlich, die Kombinationstherapie individuell auf den Patienten, seinen Gesundheitszustand und seine Lebensgewohnheiten abzustimmen. Nutzen Sie auch in diesem Zusammenhang die umfassenden medizinischen, psychischen und sozialarbeiterischen Beratungsangebote der AIDS Hilfen Österreichs.

Wenn die Viruslast hoch ist, werden in den meisten Fällen zwei nucleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren mit ein bis zwei Protease-Inhibitoren kombiniert. Bei niedriger Viruslast kann auch eine Dreierkombination ohne Proteaseinhibitoren, bestehend aus zwei nucleosidalen Reverse´-Transkriptase-Inhibitoren und einem nicht-nucleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitor eingesetzt werden. Weitere Kombinationen sind möglich, aber weniger gebräuchlich. Wichtig ist, daß die Viruslast durch die Kombinationstherapie wirksam – wenn möglich unter die Nachweisgrenze - gesenkt wird!


Behandlungsbeginn – Was wird empfohlen?

Prinzipiell kann in jedem Stadium der HIV-Infektion mit einer Kombinationstherapie begonnen werden. Wesentlich ist, daß der Patient dazu bereit ist, da die Therapie nur dann sinnvoll und wirksam ist, wenn sie gewissenhaft durchgeführt wird. Die nicht leichte Entscheidung über einen Therapiebeginn sollte daher unbedingt in Zusammenarbeit von Patient und Arzt getroffen werden.


Laborkontrollen – Welche sind nötig?

Sowohl für die Entscheidung über einen Therapiebeginn als auch zur Kontrolle, ob die Behandlung wirksam ist, werden zwei Parameter herangezogen: die Viruslast und die CD4-Zellzahl. Diese sollten bei allen HIV-Positiven vierteljährlich kontrolliert werden.

Die Zahl der CD4-Zellen gibt Aufschluß über den Zustand des Immunsystems. Je weniger CD4-Zellen vorhanden sind, desto stärker ist das Immunsystem geschädigt.

Die Menge der Viruspartikel im Blut wird als Viruslast ausgedrückt. Liegt dir Viruslast unter der Nachweisgrenze, heißt das nicht, daß keine HI-Viren mehr im Blut vorkommen. Das bedeutet: Selbst wenn keine Viren im Blut mehr nachzuweisen sind, besteht die Gefahr, andere Menschen mit HIV anzustecken! Die Kombinationstherapie kann die HI-Viren nicht zur Gänze aus dem Körper entfernen!


Nebenwirkungen – Was tun?

Ausgelöst durch die Einnahme der antiretroviralen Medikamente kann es neben erwünschten Effekten, wie der Senkung der Viruslast, auch zu unerwünschten Wirkungen, wie z.B. Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen etc., kommen. Beim Auftreten von Nebenwirkungen muß unbedingt Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden.


HIV-Medikamente und Drogen – Vorsicht!

Zwischen antiretrovirlalen Medikamenten und Drogen kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen.


Unterbrechung oder Änderung der Kombinationstherapie
Wie ist vorzugehen?

Bei Unterbrechung der Kombinationstherapie steigt die Viruslast in den meisten Fällen rasch wieder an. Darüberhinaus kann es durch Unregelmäßigkeiten in der Medikamenteneinnahme zur Resistenzbildung kommen. Das bedeutet, daß die HI-Viren auf ein Medikament nicht mehr empfindlich sind und dieses daher unwirksam ist. Jede Unterbrechung oder Änderung der Behandlung muß mit dem Arzt besprochen werden.

Text: Dr. Sigrid Ofner

ASPEKTE, eine Informationsreihe der AIDS-Hilfen Österreichs