Nebenwirkungen der Kombinationstherapie

Nebenwirkungen – Was versteht man darunter?
Kopfschmerzen, Übelkeit etc.– Was tun?
Zu Ihrer Sicherheit – darauf sollten Sie achten!
Interaktionen – Wie kommt es dazu?

Nebenwirkungen – Was versteht man darunter?

Unter einer Nebenwirkung versteht man die Wirkung eines Medikaments, die neben der gewünschten Hauptwirkung auftritt. In den meisten Fällen ist diese nicht erwünscht, es wird daher auch von unerwünschter Arzneimittelwirkung (UAW) gesprochen.

Es gibt unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die in den ersten Wochen der Einnahme eines neuen Medikaments auftreten und danach von selbst wieder vergehen und andere, die bestehen bleiben, solange die Substanz eingenommen wird. Bei einer dritten Gruppe steigt das Nebenwirkungsrisiko mit der Dauer, über die das Medikament eingenommen wird. In diesen Fällen treten unerwünschte Wirkungen erst auf, wenn die Dosis, die insgesamt aufgenommen wurde, einen gewissen Grenzwert überschreitet.


Kopfschmerzen, Übelkeit etc.– Was tun?

Sprechen Sie mit ihrem/r Arzt/Ärztin so rasch wie möglich über jede Nebenwirkung. Da Sie im Rahmen der HAART mehrere Medikamente einnehmen, ist es wichtig, zuerst festzustellen, welches davon für die Nebenwirkung verantwortlich ist. Die entsprechende Vorgangsweise muss unbedingt mit dem Arzt/der Ärztin abgesprochen werden, um die Verschlechterung Ihres Gesundheitszustandes bzw. die Enstehung resistenter HIV-Mutanten zu vermeiden.


Zu Ihrer Sicherheit – darauf sollten Sie achten!
Wenn Sie eine hochaktive antiretrovirale Therapie (= HAART, siehe ASPEKTE-Folder "Kombinationstherapie") einnehmen, sollten Sie darüber Bescheid wissen, dass unerwünschte Wirkungen auftreten können. Da Berichte über Nebenwirkungen im ersten Moment sehr beängstigend wirken, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass deren Auftreten in den meisten Fällen durch sorgfältige Therapieplanung und -durchführung sowie durch regelmäßige Untersuchungen verhindert werden kann. Zu Ihrer Sicherheit und Information sollten Sie mit Ihrem/r Arzt/Ärztin über folgende Punkte sprechen, bevor es zu Beschwerden kommt:

  • Fettverteilungsstörung (Lipodystrophiesyndrom, LDS): Unter HAART kann es gleichzeitig zur Zunahme des Fettgewebes am Körperstamm und zur Abnahme von Fettgewebe an Armen, Beinen und am Kopf kommen. Die genauen Ursachen dieser Fettverteilungsstörung sind noch unklar. In manchen Fällen kann diese durch eine Therapieumstellung rückgänig gemacht werden.
  • Blutfettwerte: Triglyzeride und Cholesterin sind Blutfette, deren Vorkommen im Blut durch die HAART – vor allem bei Kombinationen mit Protease-Inhibitoren (PIs; zu den PIs gehören die Medikamente Agenerase, Crixivan, Fortovase, Invirase, Norvir, Viracept) - ansteigen kann. Der erhöhte Fettspiegel in den Blutgefäßen erhöht das Risiko für Herzkrankheiten. Lassen Sie Ihre Blutfettwerte daher regelmäßig kontrollieren.
  • Blutzucker: Durch die Einnahme der HAART kann es zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels und in manchen Fällen zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kommen. Dies ist ebenfalls am häufigsten bei Kombinationen, die einen PI enthalten der Fall. Ihre Blutzuckerwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
  • Harnsäure: Erhöhte Harnsäurewerte im Blut, die bei manchen HAART-PatientInnen auftreten, können zu Gelenksschmerzen und Gicht führen.
  • Nierenfunktion: Einige der HIV-Medikamente können die Nieren schädigen. Wird dies nicht rechtzeitig bemerkt, kann ein lebensbedrohendes Nierenversagen die Folge sein. Zur regelmäßigen Überwachung der Nierenfunktion werden Harn- und Blutuntersuchungen durchgeführt.
  • Leberfunktion: Leberprobleme werden häufig durch Medikamente, nicht nur durch HIV-Medikamente, ausgelöst. Um festzustellen, ob die Leber gesund ist, werden im Rahmen von Blutuntersuchungen die Leberwerte kontrolliert. Nukleosidale Reverse Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs; zu den NRTIs gehören die Medikamente Combivir, Epivir, Hivid, Retrovir, Videx, Zerit, Ziagen) können in seltenen Fällen eine schwerwiegende, bisweilen lebensbedrohende Leberschädigung (Laktazidose) verursachen. Anzeichen dafür sind starke Übelkeit, Erbrechen und beschleunigte Atmung.
    Wenn Sie Nichtnukleosidalen Reverse Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs; zu den NNRTIs gehören die Medikamente Rescriptor, Sustiva, Viramune) einnehmen, sollten Sie ebenfalls Ihre Leberwerte kontrollieren lassen, da Vertreter dieser Substanzklasse zu Leberentzündungen führen können.
  • Haut: Unter NNRTI-Therapie kann es zu Hautausschlägen und in manchen Fällen in der Folge zu schweren allergischen Reaktionen kommen.


Interaktionen – Wie kommt es dazu?

Sogenannte Arzneimittelinteraktionen treten dann auf, wenn zwei oder mehrere Medikamente eingenommen werden, die sich gegenseitig beeinflussen. Dabei kann es passieren, dass die Wirksamkeit eines Medikaments unterdrückt oder verstärkt wird bzw., dass es vermehrt zum Auftreten von Nebenwirkungen kommt.

Interaktionen können nicht nur durch rezeptpflichtige Medikamente hervorgerufen werden, sondern z.B. auch durch pflanzliche Arzneimittel, Drogen oder Nahrungsmittel. Sie sollten mit Ihrem/r Arzt/ Ärztin daher über alle Medikamente sprechen, die Sie einnehmen – auch, wenn Sie diese ohne Rezept in der Apotheke kaufen können!

Text: Dr. Sigrid Ofner

ASPEKTE, eine Informationsreihe der AIDS-Hilfen Österreichs