Postexpositionelle Prophylaxe für diskordante Paare

Postexpositionelle Prophylaxe (= PEP) – Was ist das?

Die hochaktive antiretrovirale Therapie (= HAART), die aus einer Kombination von mindestens drei gegen das HI-Virus wirksamen Medikamenten besteht, wird heute als optimale Behandlung HIV-infitzierter Patienten angesehen.

Das Ziel der Kombinationstherapie ist es, die Menge der HI-Viren im Körper (= Viruskonzentration im Blut, Viruslast oder viral load) über möglichst lange Zeit so niedrig wie möglich zu halten. Das geschieht, indem die Vermehrung des HI-Virus behindert wird. Das bedeutet: Die richtige Einnahme der Medikamente kann die Zahl der HI-Viren stark verringern, die fortschreitende Zerstörung des Immunsystems aufhalten, die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhöhen, sie kann die HIV-Infektion aber nicht heilen!Die Postexpositionelle Prophylaxe ist eine medikamentöse Vorsorge, die eine Infektion mit dem HI-Virus verhindern soll. Dabei wird gleich nach einer Risikosituation eine Kombination antiretroviral wirksamer Medikamente eingenommen. Die Behandlung erfolgt über einen Zeitraum von vier Wochen und entspricht der üblichen Kombinationstherapie (siehe ASPEKTE-Folder: Kombinationstherapie).

Die PEP wurde ursprünglich nach Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal eingesetzt. Seit einiger Zeit steht diese Möglichkeit der Prophylaxe in bestimmten Fällen auch Personen zur Verfügung, die ein sexuelles Risiko hatten. Ein sexuelles Risiko besteht dann, wenn Samen-, Scheidenflüssigkeit oder Blut einer HIV-positiven Sexualpartnerin oder eines HIV-positiven Sexualpartners in den Körper oder an eine Schleimhaut gelangen.

Die PEP könnte das HIV-Infektionsrisiko verringern. Es ist dazu aber notwendig, so rasch wie möglich nach der Risikosituation – längstens nach 48 Stunden - damit zu beginnen. Jede Zeitverzögerung verringert die Chancen auf eine wirksame PEP!

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Diskordante Paare – Risiko und Verantwortung?

Der Begriff "diskordantes Paar" beschreibt eine Beziehung zwischen einer HIV-positiven und einer HIV-negativen Person. Wenn Sie eine solche Beziehung führen, kennen Sie das Verantwortungsgefühl für IhreN negativeN PartnerIn. Kondome zu verwenden ist eine Selbstverständlichkeit.

Aber was passiert, wenn das Kondom platzt? Gerade für diskordante Paare ermöglicht die PEP einen angstfreieren Umgang mit ihrer Sexualität. Wichtig ist aber, dass die PartnerInnen offen über dieses Thema sprechen.

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Sexunfall – Was ist zu tun?

Kommt es zu einem Kondomplatzer beim Geschlechtsverkehr, wobei Blut, Samen- oder Scheidenflüssigkeit in Mund oder Augen Ihres Partners oder Ihrer Partnerin gelangen, ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren:
  1. Bewahren Sie Ruhe – nicht in jedem Fall kommt es zu einer Übertragung des Virus.
  2. Als erste Notfallmaßnahme sollten Sie die betroffene Körperstelle (Mund, Geschlechtsteile oder Auge) ausgiebig mit Wasser oder besser mit schleimhautverträglichem Desinfektionsmittel (Jod-Lösung) spülen.
  3. Danach setzen Sie sich sofort mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Ihrer behandelnden Ärztin in Verbindung. Sollte dieseR nicht erreichbar sein, wenden sie sich an eines der umseitig aufgelisteten Schwerpunktkrankenhäuser.
  4. Mit der PEP muss so rasch wie möglich begonnen werden!
  5. Die nach ärztlicher Beratung verschriebene Kombination der PEP-Medikamente kann sich von Ihrer eigenen Kombinationstherapie unterscheiden, um auch eine Infektion mit resistenten Virusstämmen zu verhindern. Um eine möglichst effektive Kombination von Medikamenten für die PEP zusammenstellen zu können, ist es für den Arzt/die Ärztin wichtig, über folgende Punkte Bescheid zu wissen:
  • Nimmt der/die HIV-Positive antiretrovirale Medikamente ein, und, wenn ja, welche und seit wann? Spricht er/sie auf diese Behandlung gut an?
  • Wurde der/die HIV-Positive zuvor bereits mit anderen antiretroviralen Medikamenten behandelt, und, wenn ja, mit welchen? Ist bekannt unter welcher Behandlung es zu einem Therapieversagen gekommen ist? Ist bekannt, gegenüber welchen Medikamenten Resistenzen bestehen?
  • Wie hoch ist die Viruslast des/der HIV-Infizierten bei der letzten Kontrolle gewesen?

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Vorspiel – Woran Sie rechtzeitig denken sollten?

Um von der Situation nicht allzu überrascht zu sein, sollten Sie bei nächster Gelegenheit mit mindestens zwei Personen darüber sprechen: Erstens mit Ihrem Sexualpartner / Ihrer Sexualpartnerin und zweitens mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin oder einem/r Berater/in der lokalen AIDS-Hilfe. Darüberhinaus empfiehlt es sich, die Telefonnummer der nächstgelegenen Ambulanz (s. nächste Seite) griffbereit zu haben.

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Ambulanzen – Wohin im Notfall?

Wien, Niederösterreich, Burgenland:

AKH Wien
Abteilung f. Immundermatologie u. Infektiöse Hautkrankheiten der Universitätsklinik f. Dermatologie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Tel. Ambulanz Süd B: 01-40400-42 40 (Mo. - Fr. 8.00 – 15.00)
Außerhalb der Ambulanzzeiten:
Notfallaufnahme, Leitstelle 60, Tel: 01-40400-1964

Pulmologisches Zentrum der Stadt Wien
2. Interne Abteilung, Immunambulanz
Sanatoriumstraße 2
1140 Wien
Tel.: 01-91060-42710

Oberösterreich:

AKH Linz
Abteilung f. Dermatologie
Krankenhausstraße 9
4020 Linz
Tel.: 0732-7806-3740

Salzburg:

St.Johanns-Spital-Landeskrankenhaus
Dermatologische Ambulanz
Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Tel.: 0662-4482-3023

Steiermark:

LKH Graz West
1. Medizinische Abteilung
Göstingerstraße 22
8021 Graz
Tel. Station: 0316-5466-4341
Tel. Ambulanz: 0316-5466-4386
Tel. OA Dr. Kronawetter: 0316-5466-14386
Tel. Dr. Kapper: 0316-5466-14365

Kärnten:

LKH Klagenfurt
1. Medizinische Abteilung
St. Veiter Straße 47
9026 Klagenfurt
Tel.: 0463-538-29325

Tirol:

LKH Innsbruck
Universitätsklinik f. Dermatologie u. Venerologie
HIV-Ambulanz
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
Tel. Ambulanz: 0512-504-4847
Außerhalb der Ambulanzzeiten:
HIV-Station, Tel.: 0512-504-2987

Vorarlberg:

LKH Feldkirch
Interne Abteilung
Carinagasse 47
6807 Feldkirch-Tisis
Tel.: 05522-303-2600

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Text: Mag. Michael Leitner, Dr. Sigrid Ofner

ASPEKTE, eine Informationsreihe der AIDS-Hilfen Österreichs